B. Iglseder
T. Frühwald

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen,

das medikamentöse Management betagter Menschen stellt Ärztinnen und Ärzte vor große Herausforderungen – Anzahl und Art von Interaktionen, Nebenwirkungen sowie die damit verbundenen Risiken sind schwer überschaubar, zumal die im Alter häufige Polymorbidität die Zusammenarbeit unterschiedlicher Fachrichtungen erfordert. Vorrangiges Ziel des ärztlichen Handelns ist es, Erkrankungen zu erkennen und therapeutische Möglichkeiten abzuwägen, um möglichst effektiv und risikoarm zu behandeln. Das konsequente Vorgehen nach Leitlinien kann in einer Flut an Medikamenten mit einem hohen Risiko für unerwünschte Arzneimittelwirkungen resultieren. Am anderen Ende des Spektrums steht die Gefahr des therapeutischen Nihilismus, der dazu führen kann, dass relevante Erkrankungen nicht adäquat behandelt werden. Leider berücksichtigen medizinische Leitlinien polymorbide PatientInnen nur unzureichend, was die Entscheidungsfindung zusätzlich erschwert.  

Die abschreckenden Zahlen, die eine hohe Rate von unerwünschten Arzneimittelwirkungen bei alten Menschen zeigen, dürfen nicht dazu führen, notwendige Therapien vorzuenthalten, erinnern uns aber, besondere Sorgfalt in Bezug auf Indikationsstellung, Dosiswahl und Therapiemonitoring walten zu lassen.

Vorrangiges Ziel ist es daher nicht, möglichst wenige Medikamente zu verabreichen, sondern die Pharmakotherapie so zu gestalten, dass ein optimales Verhältnis von Nutzen und Risiko resultiert.

Die breite Themenpalette des 4. Fachtages Medikation im Alter reflektiert die alterstypische Polymorbidität. Die zeitliche Planung und der Rahmen sollen beitragen, eine Interaktion mit den Expertinnen und Experten zu ermöglichen und auf Fragestellungen individuell einzugehen.

 

Wir freuen uns auf Ihre aktive Teilnahme und den interdisziplinären Austausch im Rahmen des Fachtages Medikation im Alter!

Prim. Univ.-Prof. Dr. Bernhard Iglseder
Leiter der AG Polypharmakotherapie der ÖGGG*

Prof. Dr. Thomas Frühwald
Vorstandsmitglied der Österreichischen Gesellschaft für Geriatrie und Gerontologie 

Wissenschaftliche Leitung

*Konzeption und Planung in Zusammenarbeit mit der Österreichischen Gesellschaft für Geriatrie und Gerontologie (ÖGGG)